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Intel vs. AMD – kleine Prozessorkunde

Intel vs. AMD – kleine Prozessorkunde

Intel vs. AMD - Eine kleine Prozessorkunde

Es gibt wohl kaum einen Computernutzer, der mit den beiden Namen Intel und AMD nichts anzufangen weiß. Egal ob Gebrauchtgerät oder Neuware, Laptop, Mini-PC oder Tower-PC, Business- oder Consumerklasse - die Namen der beiden Prozessorhersteller sind allgegenwärtig und der Kampf Intel vs. AMD begegnet dir auf Schritt und Tritt. In der Vergangenheit war die Sache noch relativ klar abgegrenzt. Intel stand traditionell für Hochleistungsprozessoren verlangte dafür aber auch immer schon einen stolzen Preis. AMD versuchte sich dagegen eher im preiswerten Segment zu etablieren und vor allem die Heim- und Büronutzer anzusprechen.

Mittlerweile ist es aber nicht mehr ganz so einfach. Die Grenzen verwischen mehr und mehr, eine Abgrenzung der beiden Hersteller ist nicht mehr ganz so einfach, wie in der Vergangenheit. Dennoch haben beide Marken ihre Vor- und Nachteile und damit auch ihren ganz speziellen Liebhaberkreis. Doch was sind genau die Unterschiede? Gibt es vielleicht sogar Gemeinsamkeiten? Was verbirgt sich hinter den oft kryptischen Namenskürzeln? Eine kleine Prozessorkunde.

Nicht mit einander kompatibel

Frau_FragezeichenFasst du heute den Entschluss, dir einen neuen Computer zu kaufen, ihn aus einzelnen Komponenten selbst zusammen zu bauen oder willst du nur deine bestehende Hardware etwas aufrüsten - zunächst einmal steht immer eine Grundsatzentscheidung an. Setzt du auf Intel oder doch lieber auf AMD? Da beide Marken in rein technischer Hinsicht nicht miteinander kompatibel sind, ist das die wichtigste Entscheidung, die du treffen musst, wenn du nach dem besten Prozessor für dein nächste PC-Projekt suchst.

Die gute Nachricht: Beide Marken besitzen ganz individuelle Stärken und Schwächen im Bezug auf Grafik, Übertaktungsmöglichkeiten, Kaufpreis und dergleichen.

Namensgebung bei AMD

AMD steht aktuell vor allem für zwei Prozessorfamilien. Zum einen die Athlon-Serie, welche vor allem für Low-Budget-PCs und Einsteigergeräte entwickelt wird, zum anderen die Ryzen-CPUs. Letztere bedienen den Bereich Multimedia und Highend. Innerhalb der Ryzen-Gruppe unterteilt AMD dann noch weiter in Ryzen 3, 5, 7 und 9 sowie den Ryzen Threadripper. Innerhalb dieser Systematik gibt es dann noch erweiternde Bezeichnungen:

  • "Pro" steht für professional und garantiert vor allem für Geschäftskunden besondere Zusatzfeatures, wie eine garantierte Verfügbarkeit über einen genau definierten Zeitraum, für Privatuser nicht wirklich relevant
  • "E" sind Prozessoren mit ganz eng umrissenen Parametern und richten sich hauptsächlich direkt an die PC-Hersteller, für Privatpersonen ebenfalls relativ irrelevant
  • "G" bedeutet, dass der Prozessor einen integrierten Grafikchip besitzt
  • "X" sowie "XT" bezeichnen CPUs, die von Werk aus in der Leistung gegenüber dem "Normalmodell" gesteigert wurden. Ein "Ryzen 5 3600 X" ist also leistungsstärker, als ein "Ryzen 5 3600" und wiederum schwächer, als ein "Ryzen 5 3600 XT"

Wie auch bei Intel, erkennst du die Prozessorgeneration immer an der ersten Ziffer der 4-stelligen Zahl in der Prozessorbezeichnung. Der Ryzen 5 3600 aus dem obigen Beispiel ist also ein Prozssor der 3. Generation.

Namensgebung bei Intel

Bei Intel heißen die Prozessor-Familien analog zu oben "Celeron" (Low-Budget) und "Core i" (Leistungsklasse). Die Core-i-CPUs lassen sich dann wiederum in die Unterkategorien Core i3, i5, i7 und i9 unterteilen. Wie auch bei AMD bezeichnen dann noch unterschiedliche Großbuchstaben jeweils die besonderen Eigenschaften.

  • "F" beschreibt eine CPU ohne integrierten Grafikchip
  • "K" beschreibt einen Prozessor, der zum Übertakten besonders gut geeignet ist

Über die jeweiligen Prozessorgenerationen gibt auch bei Intel jeweils die erste Zahl nach der Prozessorbezeichnung Aufschluss, zum Beispiel Intel core-i5 8350, also 8. Generation.

Eine Frage der Leistung

IntelCore

Jetzt weißt du schon mal, was sich hinter den oftmals kryptischen Bezeichnungen der CPUs verbirgt, aber welcher Prozessor bringt jetzt genau welche Leistung?

  • Innerhalb einer Generation steigt die Leistung nach oben hin an. Ein Ryzen 9 ist schneller als ein Ryzen 5, dieser wiederum schneller als ein Ryzen 3. Analog dazu bei Intel: ein Core i9 ist schneller als ein Core i7, dieser wiederum schneller als ein Core i5 und so weiter.
  • CPUs einer neuen Generation sind in aller Regel schneller, aber auch teurer als ihre Vorgänger
  • Einsteigerklasse: AMD Athlon / Ryzen 3 sowie Celeron / Core i3
  • Mittelklasse: Ryzen 5 bzw. Core i5
  • Oberklasse: Ryzen 7 bzw. Core i7
  • Highend: Ryzen Threadripper bzw. Core i9

Cores und Threads einfach erklärt

Befasst du dich mit dem Thema Prozessor, dann stolperst du über kurz oder lang auch über die Begriffe Core(s) und Thread(s). Was sich dahinter verbirgt, erklären wir dir im Folgenden. Jeder Prozessor  beherbergt einen oder mehrere Kerne (englisch: cores), in denen die eigentliche Rechenarbeit statt findet. Ursprünglich ist immer 1 Kern mit der Bearbeitung 1 einzelnen Aufgabe oder eines einzelnen Teilprogramms befasst. Ist dieses beendet, so kann der Kern mit dem nächsten beginnen. Diese einzelnen Aufgaben oder Teilprogramme werden "threads" genannt. Einzelne Threads können bei einer Textverarbeitung zum Beispiel jeweils die Verarbeitung der Texteingabe, das Speichern des Dokuments oder das Drucken sein.

Auf modernen Computern werden nun aber normalerweise mehrere Programme - und damit auch Teilprogramme - gleichzeitig ausgeführt. Die Zahl der gleichzeitig abzuarbeitenden Threads ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Die CPU-Hersteller haben auf diese gestiegenen Anforderungen reagiert und ihren CPUs im ersten Schritt schlichtweg mehrere Einzel-Kerne spendiert, wodurch sich die Leistung des Gesamt-Prozessors schnell und einfach steigern ließ. Parallel dazu wurde dann auch noch an der Leistungsfähigkeit eines jeden einzelnen Kerns optimiert, so dass dieser fortan nicht nur einen Thread gleichzeitig abarbeiten konnte, sondern gleich mehrere parallel.

Diesen Entwicklungen sind eine Reihe neuer Bezeichnungen geschuldet:

  • "Multicore" beschreibt allgemein eine CPU mit mehreren Kernen, exakter sind die Bezeichnungen "Dual Core" für zwei Kerne sowie "Quad Core", "Hexa Core", "Octa Core" und "Deca Core" für jeweils vier, sechs, acht und zehn Kerne
  • Können die Kerne jeweils zwei Threads "gleichzeitig" bearbeiten, dann spricht man von "Multithreading" (AMD) bzw. "Hyperthreading" (Intel).

Diese Prozessoren tragen dann beispielsweise die erweiterte Bezeichnung "4 Cores, 8 Threads". Allerdings erfolgt die Abarbeitung der einzelnen Threads pro Kern nur in der Theorie gleichzeitig. In der Praxis sind dennoch zeitliche Differenzen bemerkbar.

Vorsicht bei der Taktfrequenz

Die Taktfrequenz eines Prozessors und damit auch der einzelnen Prozessorkerne bemisst sich in Megahertz (MHz) oder Gigahertz (GHz). Aber Achtung: Diese Zahl sagt zunächst einmal rein gar nichts über die Geschwindigkeit eines Prozessors aus. Vielmehr gibt sie nur an, wie oft die Transistoren des Kerns pro Sekunde umschalten können. Wie viele Befehle ein Kern dann effektiv pro Takt erledigen kann, den sogenannten IPC-Wert, darüber gibt die Taktfrequenz keinerlei Auskunft. Dieser Wert fällt jedoch von Modell zu Modell höchst unterschiedlich aus, so dass die pure Taktfrequenz keinesfalls zum Vergleich der Geschwindigkeit unterschiedlicher Prozessoren heran gezogen werden darf.

Welcher Prozessor für welchen Zweck?

  • Dual-Cores sind ohne Weiteres für Surfen & E-Mail geeignet, sie kommen aber sehr schnell an ihre Grenzen
  • Vier- und Sechskerner dagegen sind auch für den Alltagsbedarf und einfache Spiele eine gute Wahl
  • Für leistungshungrige Spiele der neuesten Generation, ist vorzugsweise ein Achtkerner zu empfehlen

 

Titelbild / Bilder: © Pixabay

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