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Software-Workshop

Ganz einfach zu deiner eigenen Cloud

Ganz einfach zu deiner eigenen Cloud

Die Cloud für Jedermann

In unserem Artikel  "Cloud-Computing für Einsteiger" sind wir in der Vergangenheit schon einmal kurz auf das Thema Cloud-Speicher eingegangen. Wir haben dir die Grundzüge dieser Art der Datenspeicherung erläutert und sind auf die Vor- und Nachteile einer Cloud als zentralem Speicherort für deine Daten eingegangen. Als Ergänzung dazu möchten wir dir heute zeigen, wie du mit relativ einfachen Mitteln deine eigene Cloud für zu Hause anlegen und verwalten kannst. Viel Spass beim Lesen und ausprobieren.

Warum überhaupt eine eigene Cloud?

Eine Cloud ist ein Speicherplatz im Internet, der sich von jedem Ort aus erreichen lässt. Dies ist auf der einen Seite natürlich eine unglaublich praktische Sache, setzt andererseits aber auch ein gewisses Mindestmaß an Vertrauen in die Anbieter des jeweiligen Cloud-Dienstes voraus. Wenn du deine Daten in eine fremd-gehostete Cloud hochlädst, dann gibst du sie zwangsläufig in die Hände des Anbieters. So vertrauensvoll einschlägige Anbieter wie Dropbox, GoogleDrive, OneDrive und Co. nach außen hin auch auftreten mögen, wirklich kontrollieren, ob mit deinen Daten so sensibel umgegangen wird, wie behauptet, kannst du letzten Endes nicht.

Dies soll natürlich nicht heißen, dass die genannten Anbieter in irgend einer Weise Schindluder mit deinen Daten treiben. Aber dennoch fehlt dir die letztendliche Kontrolle darüber, was mit deinen Daten so alles passiert. Ist dir eine öffentliche Cloud aus diesem Grund zu unsicher? Dann richte dir am Besten deinen eigenen privaten Speicherplatz im Netzwerk ein. Der Vorteil: Deine Daten bleiben zu jeder Zeit in deinem Netzwerk und somit unter deiner Kontrolle, sind aber dennoch von außerhalb jederzeit erreichbar - wenn du das willst.

Wir zeigen die heute in unserem Ratgeber, wie du ohne viel technischen und finanziellen Aufwand zu deinem eigenen Cloud-Speicher kommst.

Methode 1: Router plus externe Festplatte

Grundlegende Einstellungen

Die günstigste, einfachste und schnellste Lösung, um deinen eigenen Cloud-Speicher einzurichten. Es erfordert nicht viel mehr, als das was sowieso (fast) jeder zu Hause hat. Nämlich einen simplen DSL-Router und einen großen USB-Stick oder eine externe Festplatte. Inzwischen können die meisten aktuellen Router-Modelle mit angeschlossenen USB-Festplatten oder -Sticks umgehen. Wenn du dir unsicher bist, dann bringt ein Blick ins Handbuch deines Routers schnell Klarheit.

Hinweis: Die Fritzbox ist noch immer einer der am weitesten verbreiteten Router überhaupt. Aus diesem Grund erklären wir die Vorgehensweise exemplarisch an dieser. Bei allen anderen Router-Typen sind die Einzelschritte aber nahezu identisch. Im Zweifel hilft ein Blick ins Handbuch des Routers oder in die Online-Dokumentation.

Die meisten namhaften Routermodelle verfügen schon direkt über einen oder sogar mehrere USB-Ports, die sich direkt mit einer externen Festplatte verbinden lassen. Die Fritzbox beispielsweise verfügt über 2 USB-Anschlüsse und erkennt hier Festplatten mit einer Kapazität von bis zu 4 Terabyte sowie den Dateisystemen NTFS, FAT/ FAT32 oder EXT2/EXT3/EXT4.

Speicher aktivieren

fritzboxWenn du bis dato noch keine Festplatte an deiner Fritzbox angeschlossen hattest, dann musst du zuerst im Browsermenü die Option „Speicher (NAS) aktiv“ durch ein Häkchen aktivieren. Damit signalisierst du deiner Fritzbox, dass ein Speichergerät angeschlossen wurde und entsprechend verwaltet werden soll. Die Funktion selbst findest du unter den Menüs „Heimnetz“, „Komfortfunktionen“ und „Speicher (NAS)“.

Setze hier wie angesprochen das Häkchen bei „Speicher (NAS) aktiv“ sowie ebenfalls ein Häkchen vor die Bezeichnung deiner USB-Festplatte. Damit du auch mit mehreren Netzwerkgeräten auf deine private Fritzbox-Cloud zugreifen kannst, muss sie Mitglied im heimischen Windows-Netzwerk sein. Hierzu musst du noch die Bezeichnung des Netzwerks im Fritzbox-Menü unter dem Punkt „Arbeitsgruppe“ eintragen. Am Ende vergibst du noch einen Namen für deine private Cloud, in unserem Beispiel "FRITZ.NAS" und bestätigst alles mit einem Klick auf "Übernehmen".

Freigabe einrichten

Im Zweiten Schritt musst du noch prüfen, ob in deinen Windows-Optionen unter „Heimnetzfreigabe“ die Dienste „SMB“ und „FTP“ aktiviert sind. Diese benötigst du für den Datenaustausch mit deiner Festplatte. In das entsprechende Menü gelangst du über einen simplen Klick auf die Startschaltfläche von Windows 10, sowie anschließend auf das Zahnrädchen für die Einstellungen. Im Suchfeld gibst du "Features" ein und klickst dann auf "Windows-Features aktivieren oder deaktivieren.

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Andere Benutzer erlauben

Wahrscheinlich wirst du nicht der einzige Nutzer sein, der auf die Daten deiner Cloud zugreifen möchte. Um außer dir noch anderen Usern Zugriff auf deine Cloud zu erlauben, bietet es sich an, mehrere Benutzerkonten anzulegen. Dies machst du ebenfalls direkt im Menü deiner Fritzbox, und zwar diesmal unter dem Menüpunkt „System / FRITZ!Box-Benutzer“. Werkseitig ist hier der Anwender „ftpuser“ vorbelegt und so konfiguriert, dass er den USB-Speicher an der Fritzbox aus dem lokalen Netzwerk über das Standard-Passwort der Fritzbox erreichen kann.

Weitere Anwender legst du ganz einfach über einen Klick auf die Schaltfläche „Benutzer hinzufügen“ mit E-Mail-Adresse und Passwort an. Damit diese ebenfalls auf die Inhalte deiner Cloud zugreifen können, aktivierst du unter „Berechtigungen“ noch die Option „Zugriff zu NAS-Inhalten“. Innerhalb des Heimnetzes erreichen alle Nutzer die Cloud dann, indem sie im Internetbrowser die Adresse http://fritz.nas eingeben und im darauf folgenden Fenster dann Ihre Email-Adresse sowie das Passwort eingeben.

Zugriff von Außen

Von außen erreichst du deine Cloud über einen integrierten Dienst deiner FritzBox, nämlich "Myfritz". Einzige Voraussetzung hierfür ist ein Konto, das du über die Fritzbox-Konfigurationsoberfläche einrichten kannst, und zwar unter dem Menüpunkt „Internet / MyFRITZ!-Konto“. Nach erfolgreicher Einrichtung ist deine FritzBox dann bei Myfritz registriert. Nun kannst du nach Belieben weitere Nutzer anlegen, die anschließend über die Internetseite www.myfritz.net auf deine Fritzbox und damit auch auf deinen Cloudspeicher zugreifen können.

Methode 2: bestehenden NAS-Server benutzen

Warum in die Ferne schweifen...

...wenn das Gute liegt so nah? Du hast zu Hause bereits einen NAS (Network Attached Storage) im Einsatz? Auf diesem speicherst du sowieso schon alle Daten zentral und ordentlich archiviert? Dann kannst du diesen auch gleich als persönliche Cloud benutzen. Ähnlich wie oben unter MyFritz beschrieben, haben auch viele NAS-Anbieter einen hauseigenen DynDNS-Service im Angebot, mit Hilfe dessen du deinen Netzwerkspeicher auch über das Internet erreichen kannst.

Durch die Vielzahl an verschiedenen NAS-Anbietern kann hier keine allgemeingültige Vorgehensweise geschildert werden, die Schritte sind aber analog zu oben alle relativ ähnlich. Auch hier hilft im Zweifel ein Blick in die Dokumentation deines NAS, wo du ebenfalls eine Anleitung zur Verwendung als Cloud-Speicher findest.

Wie oben bereits beschrieben, benötigst du ein Konto bei dem DynDNS-Dienst deines NAS-Herstellers. Beim Hersteller Synology heißt dieser z.B. Quick Connect, bei Qnap dagegen MyQnapCloud, um hier nur 2 namhafte Beispiele zu nennen. Nach der Erstellung des Kontos mit Email-Adresse, Nutzernamen sowie individuellem Passwort, geschieht die restliche Einrichtung über das Online-Interface des NAS. Hier vergibst du wie üblich einen Namen für deine Cloud und gibst die gewünschten Dienste frei, welche später auf die Cloud zugreifen sollen.

Zugriff von Außen einrichten

Damit du nun aber auch über das Internet auf deine Cloud zugreifen kannst, ist eine sogenannte Portweiterleitung notwendig. Diese stellst du im Konfigurationsmenü deines Routers ein. Und zwar richtest du deinen Router so ein, dass sich die Sicherheitseinstellungen per UPnP (Universal Plug & Play) verändern lassen. Um bei unserem Beispiel der FritzBox zu bleiben, findest du die entsprechenden Einstellungen unter „Internet / Freigaben / Portfreigaben“. Hier trägst du dann im Anschluss den Port als Freigabe ein, welcher von deinem NAS gefordert wird. Hierzu ist ebenfalls ein Blick in die Dokumentation deines NAS erforderlich.

Im Falle von Qnap findest du die betreffenden DynDNS-Einstellungen etwa bei „myQNAPcloud“ im Bereich „DDNS“. Hier siehst du sowohl die Internetadresse sowie die öffentliche IP-Adresse deines NAS.

Methode 3: eigenen Server hosten

Die Königsdisziplin

Unbestritten die absolute Königsdisziplin, wie du zu deiner eigenen Cloud kommst: Du hostest ganz einfach deinen komplett eigenen Server. Ein Mehr an Kontrolle über deine Daten kannst du durch keine andere Methode erreichen, Voraussetzung ist aber ein grundlegendes Verständnis der Materie, oder zumindest ein Interesse, sich selbiges anzueignen.

Soft- und Hardware sehr günstig

Die nötige Software setzen in der Regel einen Linux-Server voraus und ist zumeist im Open-Source-Sektor zu finden, deren bekanntester Vertreter ist das komplett kostenfreie Programm NextCloud. Bei diesem liegen sämtliche Komponenten in der AGPLv3-Lizenz vor und sind damit für jeden User frei zugänglich.

Auch bezüglich der Hardware halten sich die Kosten in sehr engen Grenzen. Da für unsere Zwecke keine komplexen Programme ausgeführt, oder Grafiken berechnet werden müssen, reicht theoretisch schon ein Raspberry Pi durchaus als Datenserver aus. Ebenfalls bewährt haben sich sogenannte Mini-PCs, die nicht nur durch ihre extrem leisen Betriebsgeräusche glänzen, sondern auch durch den äußerst geringen Stromverbrauch punkten können. Greifst du dann auch noch auf professionell wiederaufbereitete gebrauchte Businesshardware zurück, so schonst du gleichzeitig nicht nur deinen Geldbeutel, sondern auch noch unsere Umwelt.

Die manuelle Einrichtung und Verwaltung einer eigenen Homecloud setzt jedoch profunde Linux-Kenntnisse voraus und ist so nicht jedermanns Sache. Ausführliche Anleitungen findest du bei den jeweiligen Anbietern. Eine detaillierte Betrachtung würde an dieser Stelle den Rahmen deutlich sprengen.

Wie bei den anderen Cloudlösungen benötigst du auch für deinen eigenen Linux-Cloudserver per Nextcloud einen DynDNS-Dienst. Dieser macht  die heimische Cloud aus dem Internet über eine festgelegte Webadresse erreichbar, obwohl sich die eigentliche IP-Adresse ja beständig ändert. Nutzt du die Lösung über deine Fritzbox oder deinen NAS, dann kannst du deren DynDNS-Dienste ganz einfach dafür einsetzen. Ist das nicht der Fall, brauchst du einen DynDNS-Anbieter wie etwa www.dyndns.org (kostenpflichtig) oder www.noip.com (kostenlos).

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Comments

  1. Wer keine Ports seines NAS nach Außen legen möchte, um das NAS nicht angreifbar zu machen, kann auch sich bei Bedarf per VPN mit seiner Fritzbox verbinden und so mit seinem NAS arbeiten, wie man es im LAN gewohnt ist.

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    • Richard Dolp (Admin) - 14. September 2018 at 13:11 - Antworten

      Hallo Herr Pries,
      das ist eine sehr gute Anmerkung und sorgt gleich für ein ordentliches Plus an Datensicherheit. Danke für den Kommentar!
      Über VPN-Tunnels und Co. wird es in naher Zukunft auch noch einen extra Beitrag geben 🙂

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  2. Hallo Richard,
    vielen Dank für diesen Einblick in diese Möglichkeit. Natürlich kann man auch ein NAS als Server nehmen, welcher alle Aufgaben bewältigt – zusammen mit der FritzBox ist dies ein Klasse Team.

    Viele Grüße
    Steffi

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