ESM-Computer Magazin
Hardware- und Tuning-Workshop

Highspeed für deinen PC – Die ersten 4 Schritte

Highspeed für deinen PC – Die ersten 4 Schritte

Highspeed für deinen PC – Die ersten 4 Schritte

Hilfe, mein PC wird immer langsamer!

Als du dir deinen neuen Rechner oder dein neues Notebook gekauft hattest, warst du begeistert von der Geschwindigkeit deines neuen Systems. Alles lief prima, es gab keine Ruckler und kaum Wartezeiten. Du hast dich anfangs gefühlt, wie in einem neuen Zeitalter der PC-Technik. Im Laufe der Jahre scheint das System aber immer langsamer zu werden. Die Wartezeiten werden immer länger. Das Arbeiten mit dem Gerät macht nicht mehr wirklich Spass.

Schnecke

Ein solches oder ähnliches Szenario erlebt jeder Computernutzer über kurz oder lang. Nicht verwunderlich, beträgt doch das Durchschnittsalter eines PCs in Deutschland satte 5 Jahre, so eine aktuelle Studie des Software-Herstellers Avast. Wenn die Hardware dann nicht mehr mit den aktuellsten Systemanforderungen moderner Programme mithalten kann, wandert das gute Stück ohne viel Federlesens auf den Schrott und der Weg zum nächsten Elektronik-Discounter wird eingesschlagen.

Dabei muss es bei Weitem nicht immer gleich eine Neuanschaffung sein. Auch ein im Schnitt 5 Jahre alter PC kann mit einfachen Mitteln und ohne viel Kostenaufwand ganz einfach wieder an den neuesten Stand der Technik angepasst werden. Wie das geht, verraten wir dir in unserer neuen Artikelserie. Heute geht es im ersten Teil zunächst einmal um die Optimierung deines Windows sowie um den Arbeitsspeicher. In sehr vielen Fällen kannst du hier schon Einiges an Speed herausholen, ohne aufwändig an der Hardware herumbasteln zu müssen. Teil 2 und 3 unserer Serie werden sich dann näher mit der Hardware befassen und dir zeigen, wie du deine HDD-Festplatte gegen eine superschnelle SSD austauschen kannst und wie du in deinen PC einen neuen Prozessor einbauen kannst.

Aufrüsten und Ausmisten ja – aber bitte mit Plan

Hat man das Gefühl, der PC sei viel zu langsam, besteht das übliche „Stochern im Nebel“ meist darin, sich nach neuen Treibern umzusehen, Parameter im BIOS-Setup aufs Geratewohl zu variieren oder notfalls das Betriebssystem neu aufzuspielen. Vielfach schafft das in der Tat Abhilfe, aber den Ursachen der Probleme kommt man damit selten auf die Spur. Früher oder später, wenn wieder alle Anwendungen installiert sind, steht man womöglich erneut vor denselben Problemen.

Bevor es losgeht: Datensicherung nicht vergessen

Bevor du dich nun aber ans Ausmisten und Aufrüsten deines Computers machst, solltest du unbedingt alle digitalen Fotos, selbst gefilmte Videos, Texte und E-Mail-Korrespondenz – also alles, was unersetzlich ist – in Sicherheit bringen. Erstaunlicherweise sind es gerade die Profis, die diese Grundregel aus Bequemlichkeit und Zeitmangel gerne außer Acht lassen.

Überprüfen und Optimieren der Programme

Bevor du dich an der Hardware deines Computers zu schaffen machst, solltest du zunächst einmal prüfen, was software-technisch zu einem Geschwindigkeitsschub führen kann. Vielleicht ist eine kleine Frischzellenkur schon ausreichend und du musst gar nicht lange am PC selbst herumbasteln.

Weniger ist mehr Teil 1 – unnötige Programme löschen

Dein erster Blick sollte dabei deinen installierten Programmen gelten. Alles muss raus – das gilt manchmal eben auch für Computer. Genauer gesagt für alle Programme, die du nicht wirklich benötigst, die aber durch ihre schiere Anzahl allein schon dein System ausbremsen können. Ganz gerne starten sich diese Programme nämlich automatisch beim Windows-Start und laufen die ganze Zeit über unbemerkt im Hintergrund mit. Dabei brauchen sie natürlich Ressourcen, was wiederum zu einem Geschwindigkeitsverlust führt.

Eine detaillierte Übersicht über alle aktuell laufenden Prozesse erhältst du über den bekannten Task-Manager von Windows. Hier sind vor allem die Angaben zu CPU- und Arbeitsspeicherauslastung interessant. Per Klick auf die entsprechenden Tabellenspalten lassen sich die einzelnen Programme absteigend sortieren. So lassen sich die schlimmsten „Sünder“ schnell ausfindig machen.

Vorsicht ist jedoch geboten bei allen Prozessen, die „Diensthost:…“ heißen. An diese Systemprozesse von Windows solltest du als Laie lieber nicht Hand anlegen, um die Stabilität deines Systems nicht zu gefährden. Tauchen hier jedoch Programme auf, die du kennst aber eigentlich nie wirklich verwendest, dann weg damit. Ein einfacher Klick auf die Startschaltfläche – Einstellungen – Apps führt zu einer langen Liste mit allen auf deinem PC installierten Programmen. Übeltäter suchen, anklicken, auf Deinstallieren klicken, und weg damit!

Weniger ist mehr Teil 2 – Autostart entschlacken

In ähnlicher Weise durchsuchst du anschließend den Autostart-Tab im Taskmanager. Dort sind alle Programme vermerkt, die automatisch beim Start von Windows mitgestartet werden und so ebenfalls die Systemleistung negativ beeinträchtigen können. Hier genügt ein simpler Rechtsklick auf das unerwünschte Programm sowie ein anschließender Linksklick auf „Deaktivieren“, so dass der Prozess künftig aus dem Autostart verschwindet. Auch hier gilt wieder: Nur Programme deaktivieren, die du selbst installiert hast und über deren Bedeutung du Bescheid weißt, sonst kann es zu Komplikationen kommen.

Ordnung bringt Geschwindigkeit – Festplatte defragmentieren

Eigentlich ein alter Hut – und doch weitestgehend unbekannt, wie wir leider immer wieder feststellen müssen: Die regelmäßige Defragmentierung der (HDD-)Festplatte.

Warum ist es nötig, die Festplatte zu defragmentieren? Beim Installieren und Deinstallieren von Software oder beim Videoschnitt werden viele Daten auf die Festplatte geschrieben und wieder gelöscht. Durch den frei werdenden Speicherplatz entstehen Lücken in der Speicherbelegung. Windows schreibt neue Programme und Dateien wahllos in den freien Speicherplatz. Dabei prüft es nicht, welche Datei in welche Lücke passt. Steht nicht genügend zusammenhängender freier Platz zur Verfügung, werden die Dateien in zig Teilen zerstückelt gespeichert. Beim Defragmentieren werden nun die über die Festplatte verstreuten Datei-Einzelteile wieder zusammengefügt und möglichst am Stück gespeichert. Einige Programme sortieren die Dateien dabei auch nach Namen, Zugriffs- oder Änderungsdatum. Häufig genutzte Dateien werden dann zum Beispiel an den Anfang der Festplatte verschoben, da von dort die Daten am schnellsten gelesen werden können.

Dadurch wird der Speicherplatz dahinter frei. Dort können dann neue Dateien in einem Stück gespeichert werden. Kurz gesagt: Die Dateien wurden auf der Festplatte nicht optimal abgespeichert. Somit bremsen sie deinen Computer massiv aus. Doch das lässt sich ganz einfach mit einem Defragmentierungs-Programm „reparieren“.

Für die Defragmentierung ist bereits ein eigenes Programm in Windows integriert.

Aufgerufen wird es ganz einfach durch einen Rechtsklick auf ein beliebiges Laufwerk im Explorer sowie einen anschließenden Linksklick auf „Eigenschaften“. Dort befinden sich unter dem Registerreiter „Tools“ 2 Hilfsprogramme, um das Laufwerk auf Fehler zu überprüfen sowie mittels Defragmentierung zu optimieren.

Ein Klick auf die „Optimieren“-Schaltfläche führt zu einem weiteren Fenster, in dem jede einzelne Partition zunächst analysiert und anschließend dann optimiert werden kann.

Achtung: Wenn du bereits eine schnelle SSD in deinem Rechner verbaut hast, dann ist dies für dich nicht notwendig. SSDs brauchen aufgrund Ihrer Beschaffenheit nicht defragmentiert zu werden. Für alle konventionellen HDD-Festplatten dagegen gilt: Eine regelmäßige Defragmentierung bringt einen ordentlichen Geschwindigkeitsschub in Sachen Lese- und Schreibgeschwindigkeit der Daten.

Virtuellen Speicher deaktivieren

Wie bereits im letzten Beitrag unter dem Kapitel Arbeitsspeicher beschrieben, lagert dein PC alle Daten in Form einer Auslagerungsdatei auf die Festplatte aus, die im Arbeitsspeicher aktuell keinen Platz mehr finden.

Das Problem bei der Sache: Die Festplatte ist deutlich langsamer, als der Arbeitsspeicher. Dies führt in der Folge zu einem deutlichen Geschwindigkeitsverlust deines kompletten Systems. Es ist also sinnvoll, die Auslagerungsdatei (den sogenannten virtuellen Speicher) auf 0 zu setzen. Stelle deinem Rechner stattdessen mehr direkten Arbeitsspeicher zur Verfügung.

Um den virtuellen Speicher zu entfernen, genügt ein Rechtsklick auf die Startschaltfläche von Windows 10 und ein anschließender Linksklick auf „System“. Im folgenden Fenster gibt’s du oben links in die Suchleiste „erweiterte Systemeinstellungen“ ein und klickst dann auf den Eintrag „erweiterte Systemeinstellungen anzeigen“. Es öffnet sich ein kleines Zusatzfenster (siehe dazu Bilderstrecke unten). Ein Klick auf „Erweitert“ und „Einstellungen“ führt zu einem zweiten Fenster; dort findest du abermals unter dem Register „Erweitert“ eine Schaltfläche, um den virtuellen Arbeitsspeicher zu ändern. Im letzten Fenster nimmst du dann einfach das oberste Häkchen heraus (Auslagerungsdatei für alle Laufwerke automatisch verwalten“, so dass du dann die Auslagerungsdatei für jedes einzelne Laufwerk manuell anpassen kannst.

Hier markierst du für jedes Laufwerk ganz einfach den Punkt „Keine Auslagerungsdatei“ und schließt daraufhin alle Fenster mit Klick auf „OK“.

Mehr Arbeitsspeicher einbauen

Arbeitsspeicherriegel sind heutzutage relativ günstig zu bekommen und der Einbau ist in wenigen Sekunden erledigt. Das Einzige, worauf du bei der Arbeitsspeicheraufrüstung wirklich achten musst, ist der Speichertyp. Hier gibt es heutzutage vor allem DDR2, DDR3 sowie DDR4 Speicher, welche untereinander jeweils nicht kompatibel sind.

Welchen Typ du brauchst, ist durch die Sockel auf deinem Mainboard festgelegt. Wenn du also nicht das ganze Mainboard austauschen möchtest, musst du zwingend den selben Speichertyp verwenden, der bereits in deinem PC eingebaut ist. Wenn du deinen PC öffnest, dann solltest du irgendwo auf dem Mainboard 2-4 lange Sockel finden, die seitlich jeweils von einer Klammer abgeschlossen werden (siehe Bild oben). Meist sind diese in der Nähe des Prozessorkühlers untergebracht.

Die dazu passenden Speicherriegel können im Zubehörhandel erworben werden und werden einfach in diese Sockel eingesteckt (bei ausgeschaltetem PC natürlich!). Hier kannst du eigentlich nichts falsch machen, durch die Kerbe auf der Unterseite der Riegel passen diese nur richtig herum in die Sockel. Sie sind korrekt eingesteckt, wenn die beiden seitlichen Klammern spürbar einrasten und eng an den Riegeln anliegen, wie im Bild zu sehen.

Willst du noch ein wenig mehr an Speed herausholen, so solltest du auf den sogenannten Dual-Channel Betrieb setzen. Meistens sind hierfür die Sockel sogar jeweils in Zweierpärchen farblich markiert. Hierfür werden je 2 identische Speicherriegel in die jeweils farblich passenden Sockel gesteckt, was gegenüber einem einzelnen (doppelt so großen) Riegel nochmal einen kleinen Geschwindigkeitsbonus verleiht. Im Klartext also: 2 Riegel a 4GB sind schneller als 1 Riegel mit 8 GB, obwohl beide Male jeweils 8 GB RAM verbaut sind.

4 Kleinigkeiten für bis zu 30% mehr Speed…

Wenn du all diese Maßnahmen ausgeführt hast, sollstest du schon eine deutlich spürbare Verbesserung der Arbeitsgeschwindigkeit deines Rechners erleben können. Vorallem natürlich, wenn dein System schon mehrere Jahre alt ist und die oben genannten Schritte nur selten oder vielleicht noch nie in der Vergangenheit ausgeführt wurden. Durch diese Maßnahmen kannst du – je nach System natürlich – bereits bis zu 30 % mehr Geschwindigkeit aus deinem PC herausholen.

…aber möglich ist noch viel mehr

Sollte dein PC noch immer zu langsam sein, dann ist es an der Zeit, dass du dich etwas näher mit der Aufrüstung deiner Hardware beschäftigst. Namentlich mit dem Austausch deiner HDD gegen eine superschnelle SSD, oder dass du deinem Rechner sogar einen neuen Prozessor spendierst. Mehr dazu dann in Teil 2 und 3 unserer kleinen Serie. Du kannst also schonmal gespannt sein.

Titelbild: © Dimitrius – Fotolia.com
Bilder: © rcfotostock – Fotolia.com / © ESM-Computer GmbH

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