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Mythos SSD – 9 Fragen zum beliebten Massenspeicher

Mythos SSD – 9 Fragen zum beliebten Massenspeicher

Mythos SSD – 9 Fragen zum beliebten Massenspeicher

Sie ist heutzutage in aller Munde und wird als das Allheilmittel schlechthin für alle langsamen Computer gepriesen: Die SSD-Festplatte.

Auch in unserem Artikel Highspeed für deinen PC - SSD einbauen haben wir uns ausführlich mit der Aufrüstung und Ausstattung eines Computers mit eben dieser superschnellen Festplattenvariante befasst. Allerdings bemerken wir im alltäglichen Support für unsere Kunden immer noch eine sehr große Unsicherheit bei diesem Thema. Viele Menschen wissen, dass eine SSD eine schnellere Festplatte ist, sind sich über die technischen Details aber nicht im Klaren.

Wir nehmen daher das Thema einmal genauer unter die Lupe und beantworten für euch die 10 wichtigsten Fragen rund um das Thema SSD-Festplatte.

1. Was unterscheidet eine SSD- von einer HDD-Festplatte?

Die Abkürzung SSD steht für "Solid-State-Drive". Zu deutsch: Halbleiterlaufwerk. Und genau so funktioniert es auch. Bei einer SSD werden alle Daten wie bei einem USB-Stick auf speziellen Speicherchips (die aus Halbleitern bestehen) abgelegt und nicht mehr wie bei einer konventionellen HDD-Festplatte auf rotierenden Magnetscheiben. Dadurch, dass keinerlei bewegliche Teile mehr vorhanden sind, ist eine SSD im Gegensatz zu einer HDD deutlich unempfindlicher gegenüber Stößen und Erschütterungen, verbraucht wesentlich weniger Strom und produziert weniger Abwärme. Der größte und entscheidende Vorteil liegt aber in der wesentlich höheren Geschwindigkeit eines jeden einzelnen Lese- und Schreibvorgangs.

Allerdings gibt es auch gewisse Nachteile im Vergleich zu einer konventionellen HDD-Festplatte: Eine SSD lässt sich - zumindest in der Theorie - nicht beliebig oft beschreiben. Die Speicherchips unterliegen einer gewissen physischen Abnutzung. Ist die SSD defekt, so kann eine Datenrettung unmöglich sein, oder ist zumindest sehr viel schwieriger, als bei einer konventionellen HDD-Platte. Auch der Anschaffungspreis liegt bei einer SSD noch deutlich über dem einer HDD.

Pro SSD:

  • schnell
  • leise
  • stromsparend
  • robust

Contra SSD:

  • teuer
  • Datenrettung u.U. schwierig
  • Abnutzung der Speicherchips

2. Wie teuer kommt eine SSD in der Praxis?

Wie bereits erwähnt, sind SSD-Platten noch um einiges kleiner und dabei teurer, als vergleichbare HDD-Festplatten. Um eine Vergleichbarkeit der Preise zu erhalten, solltest du dir diese immer auf Euro pro Gigabyte herunterrechnen. Derzeit kostet beispielsweise das 1 Terabyte-HDD-Upgrade in unserem Onlineshop € 69,00. Dies entspricht also einem Gigabytepreis von 0,067 €. Im Vergleich dazu kostet das 256-Gigabyte-SSD-Upgrade in unserem Shop € 99,00, was wiederum einem Gigabytepreis von 0,3867 € entspricht. Eine SSD ist also aufgerundet immer noch fast 6 mal so teuer, wie eine HDD. Die Preise befinden sich zwar seit Beginn des Booms der SSD-Platten im steilen Sinkflug, in absehbarer Zeit wird eine SSD aber immer noch deutlich teurer bleiben, als "konventioneller" Festplattenspeicherplatz.

Es hat sich daher bewährt, den Computer mit beiden Festplattentechnologien gleichzeitig auszustatten. Eine schnelle - aber kleine und damit bezahlbare - SSD für die Installation des Betriebssystems, sowie eine große konventionelle HDD-Festplatte als Datenspeicher für Fotos, Musik, Videos und alles, auf das nicht permanent zugegriffen werden muss.

 

Legen wir die Preise unseres Onlineshops zu Grunde, so musst du mit Kosten von rund € 100,00 rechnen, wenn du in deinen PC eine 256er SSD einbauen lassen willst.

3. Wie wird eine SSD angeschlossen?

Im Prinzip erst einmal genauso wie eine "normale" HDD-Festplatte auch.

Externe SSDs verfügen meist über einen USB-Anschluss, während die internen SSDs üblicherweise per SATA III an dein Mainboard angeschlossen werden (siehe Bilder rechts). Hier besteht also kein nennenswerter Unterschied zu konventionellen Festplatten. Eine ganz spezielle Bauform, die es bisher nur bei SSDs gibt, ist M.2. Eine M.2-SSD wird ähnlich einer kleinen Steckkarte in einen speziell dafür vorgesehenen Port auf dem Mainboard gesteckt und funktioniert ganz ohne Kabel. Allerdings verfügt bei Weitem noch nicht jedes Mainboard über einen M.2-Anschluss, während S-ATA mittlerweile zum normalen Standard gehört. Wenn du also mit dem Gedanken spielst, die eine M.2-SSD anzuschaffen, dann kläre unbedingt vorher ab, ob diese auch in deinen Rechner hineinpasst!

4. Was bringt das "TRIM-Kommando"?

Durch den TRIM-Befehl löst Windows ab Version 7 selbstständig Geschwindigkeitsprobleme, welche deine SSD nach einer gewissen Zeit ausbremsen würden. Verantwortlich für dieses Ausbremsen ist ein kleines technisches Detail einer jeden SSD-Platte: Soll ein bereits beschriebener Block nämlich erneut beschrieben werden, so muss dieser immer zuerst vollständig gelöscht werden. Dies verringert in letzter Konsequenz natürlich die Geschwindigkeit der kompletten SSD.

Das TRIM-Kommando unterbindet diese Problematik, indem nicht mehr benutzte Speicherblöcke schon im Voraus gelöscht werden. So sind sie direkt für einen neuen Speichervorgang vorbereitet.

5. Was bedeutet IOPS, MTBF und TBW?

Wenn du dir eine SSD kaufen willst und die technischen Daten genauer studierst, dann begegnen dir folgende 3 Abkürzungen. Doch was bedeuten sie?

  • IOPS (Input and Output Operations per Second): Eingabe- und Ausgabevorgänge pro Sekunde. Je höher dieser Wert, desto schneller das Laufwerk. Nach längerer Betriebszeit am Stück, nimmt dieser Wert jedoch ab.
  • MTBF (Mean Time Between Failures): mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen. Voraussichtliche Laufzeit zwischen zwei Systemausfällen während des Betriebs. Je weniger desto besser.
  • TBW (Terabytes Written): geschriebene Terabyte = eine vom Hersteller getroffene Aussage über die zu erwartende Lebensdauer einer SSD.

6. Was bringt der AHCI-Modus?

Generell solltest du bei der Verwendung einer SSD das sogenannte AHCI (Advanced Host Controller Interface) aktivieren, damit du die volle Leistungsfähigkeit deiner SSD auszuschöpfen kannst.

Dies geschieht durch eine einfache Einstellung im BIOS-Menü deines Rechners. Als Benutzer von Windows 10 war's das dann auch schon, alles weitere geschieht automatisch. Dein PC erkennt automatisch, dass du ein SSD-Laufwerk installiert hast und trifft alle erforderlichen Einstellungen selbsttätig im Hintergrund.

Verwendest du dagegen noch das ältere Windows 7, bleibt dir unter Umständen ein Ausflug in den Registry-Editor nicht erspart. Hast du deinen Rechner erfolgreich im AHCI-Modus hochgefahren, so solltest du im Gerätemanager unter dem Punkt „IDE ATA / ATAPI-Controller“ einen Verweis auf einen AHCI-Controller finden. Ist dieser vorhanden, dann brauchst du nichts weiter unternehmen.

Fehlt ein solcher Verweis dagegen, dann öffne deinen Registry-Editor und suche das Verzeichnis „HKEY_LOCAL_MACHINESYSTEMCurrentControlSetservicesmsahci“. Setze hier den Schlüssel "Start" auf den Wert "0". Anschließend machst du das selbe im Verzeichnis „HKEY_LOCAL_MACHINESYSTEMCurrentControlSetservicesiaStorV“. Nach einem Neustart deines Rechners sollte der oben angesprochene Eintrag nun in deinem Gerätemanager zu finden sein.

7. Stimmt es, dass eine SSD sehr kurzlebig ist?

Ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber SSDs ist, dass diese eine kürzere Lebensdauer als konventionelle HDDs haben. Tatsächlich verkürzt sich die Lebensdauer einer SSD, je mehr Schreibzyklen die Speicherchips durchlaufen müssen. Allerdings liegt die Anzahl der Zyklen bei weit über 10 000, weshalb es im Normalfall kaum möglich sein sollte, den Flashspeicher an seine Grenzen zu bekommen. Unterstützt wird dies zudem durch diverse neue Techniken, die eine Optimierung der Lese- und Schreibvorgänge auf der SSD gewährleisten, um so z.B. dafür zu sorgen, dass die Speicherzellen alle immer gleichmäßig beschrieben werden. 

8. Ist Defragmentieren auch bei einer SSD sinnvoll?

Kurze Antwort: NEIN!

Was für HDD-Festplatten ein Segen ist, ist für SSDs mehr als schädlich. Jede Defragmentierung bedeutet massenweise Lese- und Schreibvorgänge. Da SSDs aber nicht beliebig viele Schreibvorgänge vertragen, würde das Defragmentieren ihre Lebensdauer verkürzen. Windows 10 schaltet daher die automatische Defragmentierung selbsttätig ab, sobald eine SSD im Rechner entdeckt wird.

9. Wie lassen sich meine Daten von der SSD sicher löschen?

Bedingt durch die spezielle Architektur einer SSD-Festplatte, ist ein zuverlässiges Löschen und Überschreiben von Daten auf herkömmlichen Weg nicht mehr möglich. Selbst Tools, wie der SecureEraser, den wir dir in diesem Artikel hier vorgestellt haben, bringen hier keinen Erfolg. Um dennoch alle Daten dauerhaft von deiner SSD löschen zu können, legen die Hersteller ihren Produkten Toolpakete bei, die unter anderem auch eine Löschfunktion enthalten. So findet sich etwa in der Software „Samsung Magician“ die Option „Secure Erase“.

Wie man den berüchtigten ATA-Secure-Erase Befehl korrekt aufruft und damit alle Daten auch auf einer SSD-Festplatte sicher löschen kann, kannst du im Artikel "Daten sicher und vollständig löschen" nachlesen.

 

Titelbild / Bilder: © ESM-Computer GmbH
Quellen: eigene Recherche / PC-Welt.de

 

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Comments

  1. wenn meine SSD nur für Windows 7 (max 8) ausgeschrieben wird, kann ich sie dann auch unter Windows 10 laufen lassen?

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