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AMD vs Intel – Kampf um den Thron

AMD vs Intel – Kampf um den Thron

AMD vs Intel – Der König ist tot, lang lebe der König!

Der ein oder andere mag sich noch an die frühen Tage der Computer erinnern, als AMD (Team rot) und Intel (Team blau) noch gleichauf waren. Intel produzierte von Anfang an – genau genommen seit 1983 – Prozessoren mit integrierter Grafik (GPU) und erlaubte AMD per Lizenzrecht Prozessoren zu produzieren. AMD und Intel hielten sich gegenseitig auf Trab. Sie spielten sich somit nicht nur den „Ball“ abwechselnd zu, sondern sorgten auch für einen Innovations- und Leistungsfortschritt. Näheres zu den Prozessortypen erklären wir euch in unserem Artikel Intel vs AMD - eine kleine Prozessorkunde.

Im Zuge dieses Rennens wurde der Markt zwischen AMD und Intel ziemlich gut geteilt, bis Team rot die Firma ATI im Jahr 2006 übernahm. Sie konnten nun alle wichtigen Teile für den Bau eines Computers selbst anbieten und wurden somit nun auch zu einem Konkurrenten von Nvidia. Hinzu kam dann noch die Veröffentlichung des neuen Athlon-Prozessors. Dieser Fortschritt in der Technik katapultierte AMD förmlich an die Spitze.

Vermeintlicher K. O.-Schlag für AMD

Intel ließ sich nicht gefallen, dass der Kontrahent nun zu einer ernsten Bedrohung wird und versuchte die durch die Übernahme finanziell geschwächte Konkurrenz aus dem Spiel zu nehmen. AMD konnte den folgenden Prozessoren nichts Adäquates entgegensetzen. Zusätzlich sicherte sich Intel viele exklusive Verträge und nahm viele Vertriebspartner in ein Werbeprogramm auf. Dieses bot Rabatte, Sonderkonditionen sowie Zuschüsse, indem man bevorzugt oder ausschließlich Intel-Produkte anbot. Blau hielt damit die Krone und festigte die Führung.

Rot dagegen rutschte auf sehr wenige Marktanteile ab und verschwand in der Versenkung. Die Prozessoren konnten einfach nicht mit dem Marktführer mithalten und AMD belieferte von da an  fast ausschließlich strategisch wichtige Kunden, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.

Frieden trotz Streit

Beide Unternehmen begegneten sich außerdem regelmäßig vor Gericht. 2009 fanden die Streitigkeiten dann ein Ende, als AMD sich mit Hilfe einer Vergleichszahlung des Kontrahenten von knapp 1,2 Milliarden Dollar mit Intel einigte. Hierfür wurden alle noch ausstehenden Rechtsstreits und Beschwerden auf internationaler Ebene zurückzogen. Man wollte sich nun wieder mehr auf den Fortschritt konzentrieren. AMD und Intel einigten sich weiterhin darauf, die nächsten 5 Jahre gewisse Patente gegenseitig nutzen zu dürfen.

Rekordstrafe bleibt bestehen

Die eine Differenz bewältigt, muss Intel jedoch noch immer 1 MRD € an die EU zahlen. Der Grund – Wettbewerbsbehinderung. Die EU sah in dem Intel Inside Programm eine Verletzung des freien Wettbewerbs, so hat Intel mit diesem Programm seine nahezu Monopolstellung ausgenutzt um Kunden zu beeinflussen und AMD aus dem Markt zu drängen.

AMD bewusst ausgebremst

Laut dem Urteil des EuGH habe Intel bewusst Einfluss auf PC-Hersteller wie Dell, Lenovo und HP, sowie die Media-Saturn-Gruppe genommen. Das Programm sah vor, dass die PC-Hersteller und Anbieter Rabatte und Zuschüsse zur Werbung erhielten. Die Anbieter sollten im Gegenzug dafür sorgen, dass (fast) keine AMD-Geräte angeboten werden, oder erst verzögert auf den Markt kommen. Dies wurde als illegale Beeinflussung des Marktes eingestuft. Intel wurde daraufhin zu einer Schadenszahlung von etwas mehr als einer Milliarde Euro an die EU verdonnert.

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Vernichtendes Comeback – den König entthront

Um AMD wurde es seit Beginn des Intel Inside Programms sehr ruhig. Man konnte gewisse Fehler sowohl im Bereich der Grafikkarten, als auch bei den Prozessoren nicht beheben und schlicht und ergreifend nicht mithalten. Dies änderte sich allerdings im Jahre 2017, als sich AMD mit den Prozessoren der Ryzen-Reihe, basierend auf der neuen ZEN-Architektur, am Markt zurück meldete und eine Menge Staub aufwirbelte. Doch was machen diese Prozessoren besser als das Intel-Pendant?

Klare Ansage von AMD

Die neuen Ryzen-Prozessoren waren vielfach einfach überlegen:

  •  sie haben mehr Kerne als die Intel-Prozessoren und bieten somit mehr Threads und flüssigeres Multitasking
  •  sind günstiger als die Teile der Konkurrenz und das bei vergleichbarer Leistung
  •  verbrauchen weniger Strom als Ihre Gegenstücke.

Team rot ist also zurück am Markt, hat blau kalt erwischt und sich große Marktanteil gesichert. Doch wie geht es weiter? AMD verbessert sich in rasantem Tempo weiter, verfeinert die Prozessoren immer weiter und zwingt die Konkurrenz, welche Jahrelang geschlafen hat, so zur Innovation. Man hat sich hier zu sehr auf den Lorbeeren ausgeruht, doch Intel hat auch noch immer gewisse starke Gebiete:

Höhere Leistung pro Kern: die bisherigen Prozessoren haben immer noch auf einen Kern gesehen die höchste Rechenleistung, die Konkurrenz optimiert allerdings fleißig und die der Vorsprung wird rasant geringer.

Exklusivität: Intel hat nach wie vor noch Deals mit PC-Herstellern und somit sind in vielen produzierten Geräte noch immer Standardmäßig Intel-Komponenten verbaut.

Notebooks: Wenn es um Notebooks geht hat auch hier Intel noch die Nase vorn.

Verschobene Machtverhältnisse

AMD produziert mittlerweile Prozessoren im 7nm (Nanometer) Bereich, kann dadurch mit mehr Leistung auf kleinerem Raum punkten und wird vermutlich in nicht allzu langer Zeit auf 5nm umsteigen. Das ermöglicht unter anderem den Verbau von mehr Kernen. Intel dagegen produziert noch immer nicht auf 10nm und scheint den Sprung auch nicht schaffen (zu wollen), was die Firma in der Innovation und Leistungssteigerung ausbremst. AMD dagegen konnte sich wieder einmal die Konsolen sichern und wird die Next-Gen mit Technik versorgen. Ein weiterer Aspekt, weshalb AMD am Markt so gepunktet hat, werden definitiv auch die Lieferschwierigkeiten bei Intel sein, welche die Nachfrage nicht mehr ausreichend bedienen konnten.

AMD bringt Bewegung in den Markt

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich AMD mit einer lauten Kampfansage zurück auf den Markt und auf Kurs gebracht hat. Schenker Technologies zum Beispiel, hat die letzten 10 Jahre exklusiv Intel-Teile angeboten und plante nun den Release eines Notebooks mit  AMD-Ausstattung . Team rot ist also nicht nur konkurrenzfähig, sondern macht den Anderen das Leben schwer, so auch im Grafikkartenbereich dem Giganten Nvidia.

Der Markt ging lange in nur eine Richtung: Höhere Preise, relativ wenig Leistung mehr. AMD bringt hier definitiv Bewegung rein und sorgt dafür, dass sowohl Intel als auch Nvidia jetzt Initiative zeigen und punkten müssen, denn AMD ist seit 2017 definitiv in beiden Bereichen mit überzeugenden Produkten vertreten und scheint noch deutlich mehr parat zu haben.

Man darf gespannt sein, wie das Rennen weiter geht. Welchen Prozessor hast du bei dir in deinem Rechner verbaut? Schreib es uns in die Kommentare!

Titelbild: ©Pixabay
Bilder:  ©Pixabay

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