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Grafikkarten preislich im Tiefflug

Grafikkarten preislich im Tiefflug

Nach einem unglaublichen Allzeithoch fallen nun seit Juni 2021 die Preise für Grafikkarten (endlich) wieder und teilweise sogar massiv! Wir freuen uns natürlich sehr, allerdings möchten wir hier auch auf die möglichen Gründe für diesen Preissturz eingehen, damit du einen Überblick bekommst. Apropos Überblick: Hier eine Übersicht zu den einzelnen Absätzen.

  1. China verbietet Mining
  2. Limitierung der Grafikkartenleistung
  3. Verfügbarkeitsprobleme, überall
  4. Preise sinken, aber warum?
  5. Etherum wird unattraktiv
  6. Alternative Grafikkarten?
  7. Unser Fazit

China verbietet Mining

Screenshot Grafik Preisentwicklung

Preisentwicklung RTX 3090 FE Screenshot von geizhals.de

Ein Grund für das regelrechte Leerfegen des Grafikkartenmarktes sind die sogenannten Miner. Diese brauchen die Grafikkarten in großen Mengen für aufwändige Berechnungen um Kryptowährungen zu generieren. Näher auf das Thema Mining. Näher auf die Korrelation beider Themen gehen wir im Beitrag Bitcoin – Auswirkungen auf Grafikkartenpreise ein. China war jedenfalls DER Mining-Hub schlechthin. Der BitCoin bspw. war in der Volksrepublik zwar bereits reguliert, allerdings ist die Regierung der Ansicht Kryptowährungen gefährden die Wirtschaft und fördern kriminelle Geschäfte. Ebenfalls sehe die Regierung – und auch Elon Musk twitterte hierzu – ein Problem für die Umwelt, da das Minen sehr Stromintensiv ist.

Limitierung der Grafikkartenleistung

Die Enttäuschung war natürlich groß, als nVidia und AMD die jeweiligen neuen Grafikkarten präsentierten und sowohl Scalper als auch Miner den Grafikkartenmarkt komplett leerfegten und die meisten Kaufinteressenten, wie zum Beispiel die Gaming-Community nahezu komplett leer ausgingen. Die Preise schossen in exorbitante höhen, so wurden Grafikkarten wie die RTX 3090 mit einem UVP von etwas um die 1.500,00 € teilweise zu knapp 3.600,00 € verkauft bzw. angeboten. Als Antwort hierauf wollte nVidia die sogenannte Hashrate der Karten künstlich beschneiden, um die Grafikkarten für Miner unattraktiver zu gestalten. Mehr zu diesem Thema kannst du hier unter nVidia limitiert Miningkapazität bei Grafikkarten nachlesen. Prinzipiell war das auch eigentlich ein guter Gedanke um sich mit der „normalen“ Community gut zu stellen. Hier sollte angeblich ein Handshake zwischen BIOS und Treiber stattfinden, um zu verhindern, dass die Limitierung von Dritten ausgehebelt wird, wie Nvidia Senior PR Manager Bryan Del Rizzo auf Twitter an Ryan Smith schreibt.

 


Die Aktion ist allerdings komplett gefloppt. Warum? Die Limitierung gilt nur für den Mining-Algorithmus von Etherum, jeder andere ist hiervon nicht betroffen, zudem hat nVidia einen weiteren fatalen Fehler gemacht. Die Firma hat angekündigt, dass es „unmöglich“ sein soll, die Sperre zu umgehen. Eine Motivation für Hacker, Bastler und jede Person, welche sich herausgefordert fühlt. Zudem hat nVidia folgend einen Beta-Treiber veröffentlicht, welcher die Begrenzung selbst einfach aufgehoben hat. Einige aus der Community vermuten hier nun einfach eine PR-Aktion um sich selbst gut dastehen zu lassen. Well played…not, denn dieses Mining-Limit für Kryptowährungen wie Etherum und BitCoin bringen faktisch nichts. Die Miner nutzen die Karten einfach weiter.

 

Verfügbarkeitsprobleme, überall

Das Problem ist hier allerdings nicht nur die Spitze, also das Angebot, für das in der Home-Office-Zeit (dank der Pandemie) eine riesige Hardware-nachfrage entstand, sondern beginnt bereits vorher. So herrschte in einigen Produktionsstätten bzw. Ländern u.A. Wassermangel und weitere Produktionsschwierigkeiten. Die Produktion war somit gebremst, es gab – auch Dank Corona – Lieferengpässe. Die Produktion stockte also, die Lieferketten wurden an verschiedenen Stellen immer wieder massiv unterbrochen. Weiterhin brauchen auch bspw. Autohersteller Chips und Ähnliche Kleinteile aus der Grafikkartenproduktion. Es war schlichtweg lange nicht möglich überhaupt ein „gutes“ Angebot zu präsentieren. Eine Katastrophe folgte hier der nächsten.

Preise sinken, aber warum?

Screenshot Grafik Preisgraph

Preisentwicklung RTX 3080 Screenshot von geizhals.de

Jetzt sinken die Preise (endlich!) extrem stark. Zusammenhängend hierzu würde dich bestimmt auch unser Beitrag Crypto-Crash und Grafikkarten interessieren. Doch woran liegt´s? Hier kann es – wirklich – viele Gründe und Ursachen geben. Die Chiphersteller haben beispielsweise schon vor einiger Zeit angekündigt die Produktionskapazität zu erweitern und auszubauen. Das würde zumindest erklären, weshalb bei vielen Händlern öfter wieder einige Grafikkarten auf Lager sind. Auch wenn der Anteil neuer Grafikkarten bei Endverbrauchern bzw. Gamern langsam steigt ist der Preisfall auch dem geschuldet, dass viele einfach nicht bereit sind das doppelte oder mehr des UVPs zu zahlen. Das Mining-Verbot Chinas, welches Miner zum verkaufen ihrer Videokarten „zwingt“ und der Gebrauchtmarkt nun regelrecht geflutet wird, sind dem Preis jedenfalls zuträglich.

Etherum wird unattraktiv

Screenshot Grafik Preise RX 6800 XT

Preisentwicklung RX 6800 XT Screenshot von geizhals.de

Besonders im Sinne der Nachhaltigkeit – natürlich auch zwecks Sicherheit, Stabilität und Ausbau – strukturiert Etherum um. Das sogenannte „Etherum 2.0“ soll Ende des Jahres live gehen. Die Kryptowährung wird in seinem Netzwerk umgebaut. Bisher wurde mit dem „Proof of Work“ (Pow) Verfahren gemint, also je mehr Leistung, desto mehr Währung kann man ergattern. Hier soll auf „Proof of Stake“ umgestellt und verschiedene andere Verbesserungen vorgenommen werden. SO soll dann auch die benötigte Leistung auf 0,05 % reduziert werden. Massive Einsparung also, bei Stärkung in Sachen Nachhaltigkeit, Sicherheit, Stabilität, Transaktionen pro Sekunde uvm. Da die meisten Grafikkarten Etherum schürfen, wird hier einiges an Leistung schlichtweg nicht mehr benötigt werden.

Alternative Grafikkarten?

Wir haben durchaus von vielen Fragen gehört, ob man nicht auf „billig-Angebote“ der Videokarten umschwenken kann. Also bspw. eine 3090 oder 6700 XT oder 6800 XT von Händlern wie Wish. Die Antwort hierauf, auch von einigen YouTubern wie unter Anderem „Der große Wish.com Grafikkarten-Test“ von PC-Welt, ist definitiv NEIN. Spoiler: Die Grafikkarten sind deshalb so billig, weil sie „umgerüstet“ und mit alten Recheneinheiten ausgestattet wurden. So werden diese von CPU-Z oft direkt als „Fake“ erkannt. Geld- und Zeitverschwendung also. Deshalb hiervon: Finger weg!

Unser Fazit:

Wir legen nahe weiter zu warten. Mit den Etherum-Änderungen Ende diesen Jahres (2021) sollte das Mining der Währung uninteressanter werden. Das Angebot wird besser und die Preise der Karten definitiv weiter fallen. Dann kann man diese evtl. sogar zu UVP oder billiger bekommen. Wer dringend eine braucht, kann sich auf dem Gebrauchtmarkt nach passenden Karten umschauen und auch auf Portalen wie etwa geizhals.de nach der Preisentwicklung einzelner Produkte schauen.

 

Titelbild: © Pixabay

Bilder: © Screenshots geizhals.de

 

 

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